Die Fra­ge, mit wel­chen Mit­teln bezahl­ba­rer Wohn­raum mit hohem städ­te­bau­li­chen Anspruch in kur­zer Zeit geschaf­fen wer­den kann, beschäf­tigt der­zeit in allen Metro­po­len poli­ti­sche Ent­schei­der, Inves­to­ren und die Öffent­lich­keit. Und vor allem die kom­mu­na­len Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten. Klar defi­nier­te Aus­stat­tungs­stan­dards sind rele­van­te Instru­men­te zur Schaf­fung von bezahl­ba­rem Wohn­raum. Die Ber­li­ner Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft HOWO­GE setzt ins­be­son­de­re auf den Ansatz des seri­el­len Pla­nens und Bau­ens – und rea­li­siert Neu­bau­ten fast nur noch seri­ell.

Die Pres­se­spre­che­rin der HOWO­GE Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft, Sabi­ne Pen­trop, im Inter­view:

Inwie­weit nut­zen Sie die Ansät­ze der Modul- oder Seri­en­bau­wei­se? 

Seri­el­les Pla­nen und ele­men­tier­tes Bau­en – wir set­zen der­zeit fast alle unse­ren Neu­bau­pro­jek­ten mit vor­ge­fer­tig­ten Bau­ele­men­ten wie z. B. Stahl­be­ton-Decken und -Wän­den im Roh­bau oder in Holz­ta­fel­bau­wei­se um. Erst im Früh­jahr die­ses Jah­res haben wir mit dem Urba­nen Holz­bau unser ers­tes Pro­jekt in nach­hal­ti­ger Holz-Hybrid­bau­wei­se rea­li­siert. Hier wer­den vor­ge­fer­tig­te Holz­ele­men­te mit Stahl­be­ton­fer­tig­tei­len für die Decken und den Trep­pen­haus­kern kom­bi­niert.


Was sind die Vor­tei­le aus Ihrer Sicht?

Durch das seri­el­le Bau­en wird die Pla­nungs­pha­se gestrafft, auf­wen­di­ge Ände­run­gen wäh­rend der Bau­pha­se wer­den ver­mie­den und die Bau­zeit ver­kürzt. Die­se Stra­te­gie opti­miert die Pro­jekt­ent­wick­lung und senkt die Kos­ten. Hin­zu kom­men die hohe Aus­füh­rungs­qua­li­tät der vor­ge­fer­tig­ten Bau­tei­le, deren leich­te­re Mon­ta­ge und damit eine gewis­se Unab­hän­gig­keit von Bau­stel­len­ri­si­ken wie z. B. Wet­ter, die Redu­zie­rung der Lärm­emis­sio­nen, die Auto­ma­ti­sie­rung der Fer­ti­gungs­pro­zes­se sowie eine früh­zei­ti­ge Abstim­mung der Pro­zess­be­tei­lig­ten im Hin­blick auf Prä­zi­si­on, Abläu­fe, Qua­li­tät. 


Wel­che Nach­tei­le sehen Sie und bei wel­chen Pro­jek­ten wür­den Sie davon abse­hen?

Die Nach­tei­le lie­gen bei­spiels­wei­se im erhöh­ten Lager­flä­chen­be­darf im Werk, in der Abhän­gig­keit vom Stra­ßen­trans­port groß­for­ma­ti­ger Ele­men­te und in der Gefahr von Mono­to­nie bei gro­ßem Wie­der­ho­lungs­fak­tor. Außer­dem könn­ten sich Markt­eng­päs­se bei gro­ßer Nach­fra­ge, vor allem bei kom­ple­xen Bau­tei­len, erge­ben.


Mit wel­chen Sys­te­men des seri­el­len Bau­ens arbei­ten Sie?

Wir set­zen als Ergän­zung zum seri­el­len ele­men­tier­ten Bau­en ver­mehrt auf die modu­la­re Bau­wei­se. Die­se Raum­mo­du­le kön­nen einen Vor­fer­ti­gungs­grad von bis zu 95 Pro­zent haben. Bei­na­he fer­ti­ge Räu­me mit Boden­be­lag, Fuß­bo­den­hei­zung, kom­plet­ter Elek­tro­ver­ka­be­lung und Schal­tern sowie fer­ti­ger Fas­sa­de mit Fens­tern und Türen wer­den auf die Bau­stel­le gebracht und dort zu mehr­ge­schos­si­gen Gebäu­den gesta­pelt. Modu­lar bau­en kann aber auch ledig­lich den Ein­bau vor­ge­fer­tig­ter Bad­zel­len umfas­sen, die voll­stän­dig mit Sani­tär­ob­jek­ten, Flie­sen und Sani­tär­lei­tun­gen als Modul in den Roh­bau ein­ge­bracht wer­den. Mit­tel­fris­tig ist es unser Ziel, ver­schie­de­ne Modu­le von der Bau­in­dus­trie her­stel­len zu las­sen. Ele­men­tier­tes Bau­en – das Pla­nen und Bau­en mit vor­ge­fer­tig­ten Bau­ele­men­ten wie z. B. Stahl­be­ton-Decken und -Wän­den im Roh­bau oder in Holz­ta­fel­bau­wei­se, aber auch mit vor­ge­fer­tig­ten Vor­wand­in­stal­la­tio­nen in Bädern prä­fe­rie­ren wir bei Pla­nern und bau­aus­füh­ren­den Fir­men bei fast jedem Pro­jekt.


Sie arbei­ten bei der Pro­jekt­rea­li­sie­rung mit fest­ste­hen­den Vor­ga­ben, über die Sie eine strin­gen­te Umset­zung im Kos­ten­rah­men sicher­stel­len wol­len?

Ja, das Woh­nungs­be­wer­tungs­sys­tem stellt alle Fak­ten trans­pa­rent dar und gibt den Pla­nern einen klar umris­se­nen Spiel­raum vor. Das Sys­tem als Gan­zes soll­te aber fle­xi­bel blei­ben, um auch in schwie­ri­gen städ­te­bau­li­chen Kon­tex­ten gute Archi­tek­tur und gute Woh­nun­gen gene­rie­ren zu kön­nen. Gleich­zei­tig arbei­ten wir mit wie­der­keh­ren­den Pla­nungs­pa­ra­me­tern, etwa den immer glei­chen Anfor­de­run­gen an Bäder oder Grund­ris­se, mit glei­cher Aus­stat­tung oder glei­chen Anfor­de­run­gen an Bar­rie­re­ar­mut.


Wie viel Zeit konn­ten Sie durch die­se Bau­wei­se schon ein­spa­ren?

Das ist immer vom Umfang und der Art des Pro­jek­tes abhän­gig. Am Hage­nower Ring in Hohen­schön­hau­sen z. B. ent­stand inner­halb von neun Mona­ten Bau­zeit ein modu­la­res Wohn­ge­bäu­de für 300 geflüch­te­te Men­schen.


Wel­che Kos­ten­ein­spa­run­gen kön­nen heu­te schon durch modu­la­res Bau­en erzielt wer­den? Die Modul­her­stel­lung ist zunächst ja recht teu­er.

Ja, bis­lang ist das noch so. Wir ver­su­chen über Ska­len­ef­fek­te, also durch immer wie­der­keh­ren­de Ele­men­te und Modu­le, mit­tel­fris­tig Preis­re­duk­tio­nen zu gene­rie­ren.


Was bedeu­tet eine sol­che Bau­wei­se für den Sta­ti­ker oder den TGA-Pla­ner?

Für Fach­pla­ner ist zu beach­ten, dass vie­le Funk­tio­nen bereits mit den Modu­len, teil­wei­se auch den Seri­en­bau­tei­len, mit­ge­lie­fert wer­den. Der­zeit im Bau befin­det sich das Pro­jekt Ohlau­er Stra­ße in Ber­lin-Kreuz­berg. Die Trag­struk­tur ist hier als voll­stän­dig vor­ge­fer­tig­te Fer­tig­teil­kon­struk­ti­on geplant. Als Außen­wän­de kom­men Sand­wich­ele­men­te mit der innen­lie­gen­den Trag­wand, der bereits werk­sei­tig auf­ge­brach­ten Däm­mung und Fas­sa­den­au­ßen­haut zum Ein­satz. Die in Quer­rich­tung ver­lau­fen­den Trenn­wän­de zwi­schen den Woh­nungs­ein­hei­ten wer­den als Fer­tig­teil mit allen schon ein­ge­bau­ten Lei­tun­gen aus mas­si­vem Beton her­ge­stellt.


Bei der Aus­wahl der Modu­le – wor­auf ist zu ach­ten?

Bei den Modu­len gibt es eine enor­me Aus­wahl, es han­delt sich teils um kom­plet­te Räu­me, die mit­un­ter sehr krea­tiv zusam­men­ge­setzt sind bzw. kom­plett möbliert gelie­fert wer­den. Hier soll­te auf eine sehr eng­ma­schi­ge Qua­li­täts­kon­trol­le geach­tet wer­den.


Wel­che Vor- und Nach­tei­le hat die­se Bau­wei­se im Betrieb der Immo­bi­lie?

Für die HOWO­GE, die Woh­nun­gen über Jahr­zehn­te in ihrem Bestand hält, haben sol­che Modu­le noch einen wei­te­ren Vor­teil: War­tung und Repa­ra­tu­ren ver­ein­fa­chen sich, wenn bei­spiels­wei­se in einem Fer­tig­bad eine auch in 20 Jah­ren gut doku­men­tier­te und stan­dar­di­sier­te  Aus­stat­tung vom Was­ser­hahn  bis zur Flie­se vor­liegt.

 

Bei­spie­le

  • Der Gärt­ner­hof mit 172 Woh­nun­gen in Ber­lin-Hohen­schön­hau­sen sowie  die Tres­kow­stra­ße 26-28 mit 77 Woh­nun­gen wur­den kom­plett in Fer­tig­be­ton­ele­ment­bau­wei­se erstellt.

  • In Ber­lin-Adlers­hof wur­de im Früh­jahr die­ses Jah­res mit dem Urba­nen Holz­bau unser ers­tes Pro­jekt in nach­hal­ti­ger Holz-Hybrid­bau­wei­se rea­li­siert. Hier wer­den vor­ge­fer­tig­te Holz­ele­men­te mit Stahl­be­ton­fer­tig­tei­len für die Decken und den Trep­pen­haus­kern kom­bi­niert.

  • In der Dol­gen­see­stra­ße hat die HOWO­GE 117 Woh­nun­gen in drei acht­ge­schos­si­gen Gebäu­den sowie 2 Senio­ren-Wohn­ge­mein­schaf­ten in ele­men­tier­ter Bau­wei­se errich­tet.

 

Sabi­ne Pen­trop ist Pres­se­spre­che­rin der HOWO­GE Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft mbH.

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