Der Ber­li­ner Büro­markt steht mehr denn je vor dem Dilem­ma, die hohe Nach­fra­ge nicht ein­mal annä­hernd bedie­nen zu kön­nen. Auch im abge­lau­fe­nen drit­ten Quar­tal 2018 wäre ein deut­lich höhe­rer Büro­flä­chen­um­satz mög­lich gewe­sen, als die erreich­ten ca. 194.000 m². In Addi­ti­on mit den ca. 412.000 m² Büro­flä­che, die im ers­ten Halb­jahr umge­setzt wur­den, beläuft sich die Ver­mie­tungs­leis­tung nach neun Mona­ten auf ins­ge­samt ca. 606.000 m². Ver­gli­chen mit dem Vor­jah­res­zeit­raum bedeu­tet das Ergeb­nis ein Minus von 10 %. „Nach drei Rekord­jah­ren in Fol­ge erscheint für 2018 eine erneu­te Ver­bes­se­rung der Best­mar­ke wenig wahr­schein­lich. Viel­mehr ist zu erwar­ten, dass sich der Flä­chen­um­satz für das Gesamt­jahr zwi­schen 800.000 m² und 850.000 m² bewe­gen wird“, sagt Tibor From­mold, Vor­stand der Anger­mann Real Esta­te Advi­so­ry AG Ber­lin.

Ber­li­ner Büro­mie­ter müs­sen immer höhe­re Mie­ten zah­len

Der Trend stei­gen­der Büro­mie­ten hat sich in der Haupt­stadt ein­mal mehr bestä­tigt. Das Ungleich­ge­wicht zwi­schen dem über­aus knap­pen Ange­bot und der Viel­zahl an offe­nen Gesu­chen for­der­te auch in den ver­gan­ge­nen Mona­ten sei­nen Preis. So ver­zeich­ne­te die Durch­schnitts­mie­te im West­teil der City gegen­über dem Vor­quar­tal einen Anstieg von 20,40 €/m² auf 20,80 €/m² und im Ost­teil der City erhöh­te sich der Wert von 19,20 €/m² auf 19,80 €/m². Auch die Spit­zen­mie­te stei­ger­te sich hier und beträgt 31,00 €/m² statt 30,40 €/m². Immer­hin sta­bil blieb im Quar­tals­ver­lauf die Spit­zen­mie­te im West­teil der City. Mit statt­li­chen 35,00 €/m² bewegt sie sich aller­dings ohne­hin bereits auf einem sehr hohen Preis­ni­veau. „Ein Stopp der kon­ti­nu­ier­li­chen Miet­preis­stei­ge­run­gen ist vor­erst nicht in Sicht. Immer mehr Unter­neh­men wird es zukünf­tig schwer­fal­len, die hohe finan­zi­el­le Belas­tung zu stem­men,“ so From­mold.

Leer­stand von Büro­flä­chen nimmt wei­ter rapi­de ab

Wer heu­te in Ber­lin Büro­flä­chen mie­ten möch­te, muss Zeit mit­brin­gen. Lee­re Büros sind eine ech­te Sel­ten­heit. Beson­ders dra­ma­tisch ist die Situa­ti­on inner­halb des Ber­li­ner S-Bahn-Rin­ges, wo der Markt im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes leer­ge­fegt ist. Ins­ge­samt ver­rin­ger­te sich das Büro­flä­chen­an­ge­bot gegen­über dem ers­ten Halb­jahr 2018 von ca. 369.000 m² auf ca. 349.000 m². Bei einem Gesamt­flä­chen­be­stand von ca. 21,8 Mio. m² ent­spricht dies einer his­to­risch nied­ri­gen Leer­stands­quo­te von 1,6 %. Obwohl die Bau­tä­tig­keit in fast allen Ber­li­ner Büro­la­gen durch­aus hoch ist, sind die Per­spek­ti­ven für eine Ver­bes­se­rung der Büro­raum­si­tua­ti­on schlecht. „Die meis­ten Pro­jek­tie­run­gen, die in den kom­men­den Jah­ren fer­tig­ge­stellt wer­den, wei­sen bereits einen hohen Vor­ver­mie­tungs­stand aus. Es ist für Büro­mie­ter des­halb rat­sam, sich auf die der­zei­ti­gen Markt­ge­ge­ben­hei­ten recht­zei­tig ein­zu­stel­len und Vor­lauf­zei­ten von bis zu fünf Jah­ren ein­zu­pla­nen. Dies gilt auch für Flä­chen zwi­schen 1.000 m² und unter 500 m²“, erklärt From­mold.

Dro­hen­der Weg­zug der Krea­ti­ven

Für vie­le Unter­neh­men der Krea­tiv­bran­che wird die Ber­li­ner Luft immer dün­ner. „Zu weni­ge adäqua­te Büro­flä­chen und kaum bezahl­ba­rer Wohn­raum für die Mit­ar­bei­ter lässt mitt­ler­wei­le vie­le nach alter­na­ti­ven Stand­or­ten wie etwa Jena Aus­schau hal­ten. Neben einer guten Uni-Struk­tur bie­tet die Stadt jene Mög­lich­kei­ten, die in Ber­lin schmerz­lich ver­misst wer­den. Es wird für die Ver­ant­wort­li­chen im Ber­li­ner Rat­haus schwer wer­den, den dro­hen­den Weg­zug zu ver­hin­dern, da die Wei­chen hier­für längst hät­ten gestellt wer­den müs­sen“, so From­mold. Im Stand­ortran­king bleibt Ber­lin-Mit­te mit ca. 141.000 m² umsatz­stärks­ter Büro­st­and­ort. Dahin­ter fol­gen Char­lot­ten­burg mit ca. 88.400 m² und Tem­pel­hof mit ca. 54.200 m². Anmie­tungs­freu­digs­te Bran­chen waren im bis­he­ri­gen Jah­res­ver­lauf der Tech-Sek­tor und die öffent­li­che Hand. „Für die öffent­li­che Hand gestal­tet es sich zuneh­mend schwie­rig, Flä­chen in den gewünsch­ten Büro­la­gen zu fin­den. Nur so ist es zu erklä­ren, war­um jüngst ein Miet­ver­trag über 4.000 m² für 30,00 €/m² brut­to kalt unter­zeich­net wur­de“, sagt From­mold.

Zuerst ver­öf­fent­licht bei Deal Maga­zin