Fachblog: Herr Hedding, Ihr Unternehmen hat den Auftrag erhalten, eine bestehende serielle Vorplanung für ein Studentenwohnheim kostentechnisch zu optimieren und umzusetzen. Wie gehen Sie hier vor?
Hedding: Das gesamte Gebäude kann in den Obergeschossen mit Ausnahme des überhöhten Eingangsbereichs in modularer und serieller Bauweise ausgeführt werden. Die Umsetzung ist nach unserer Planung im Nokera-Bausystem in Holzhybridbauweise vorgesehen. Dieses bringt den Vorteil, dass Gebäude schneller, flexibler, nachhaltiger und mit höherem wirtschaftlichem Nutzen gebaut werden können.
Fachblog: Wie konkret wird die Planung weiter optimiert?
Hedding: Gegenüber der Vorplanung, die bereits in Systembauweise vorgesehen war, sind Flächenerweiterungen möglich, indem die vorgesehenen Systemkomponenten weiterentwickelt werden, etwa durch einschalige statt doppelschaliger Wohnungstrennwände sowie durch tragende Wände mit schallschutzwirksamer Vorsatzschale. Das Ergebnis ist eine vergrößerte Wohnfläche und somit eine indirekte Kostensenkung.
Fachblog: Wie ist Ihr serielles System aufgebaut?
Hedding: Für die tragenden und nichttragenden Außen- und Innenwände wird auf die ressourceneffiziente Holztafelbauweise gesetzt. Für die Produktion der Holztafelbauwände haben wir hochautomatisierte Produktionskapazitäten für bis zu 30.000 Wohnungen in Burg bei Magdeburg aufgebaut. Die Treppenhauskomponenten wie Wände, Decken und Podeste bestehen brandschutzbedingt aus Stahlbetonfertigteilen und werden im konzerneigenen Betonwerk produziert.
Fachblog: Das heißt, Sie arbeiten nicht mit kompletten Modulen?
Hedding: Ja, Nokera stellt – mit Ausnahme der Badzellen – keine vollständigen Raummodule her, sondern Wandkomponenten. Durch deren Kombination ergibt sich eine hohe Flexibilität bei Grundrissen und Gestaltung der Gebäude.
Fachblog: Wie funktioniert Ihr System bei den Badkomponenten?
Hedding: Im Bereich der Bäder wird auf die Raumzellenbauweise gesetzt, das heißt, die Bäder werden als komplette Raumzelle auf die Baustelle geliefert und mit dem Kran an die entsprechende Stelle gesetzt. Lediglich die Anschlüsse müssen vor Ort verbunden werden.
Fachblog: Welche Herausforderungen ergeben sich bei diesem Projekt?
Hedding: Eine Besonderheit ist für uns, das Nokera-System mit den Gestaltungsvorgaben des Fassadenarchitekten zu verbinden. Dies erfordert beispielsweise die Einbettung von systemfremden Sonderelementen wie Falt-Schiebeläden und französischen Balkongeländern in den seriellen Planungs- und Produktionsprozess. Das erfordert eine stetige Abstimmung mit dem Bauherrn und dem Fassadenarchitekten, damit der Entwurfsgedanke für die Optik erhalten bleibt. Ebenso ist die Integration einer bauherrenseitig gewünschten umfangreichen Gebäudeautomation und -leittechnik zu berücksichtigen.
Fachblog: Ist ein Modulbau – vor allem mit Holz – zurzeit nicht eher teurer als die klassischen Bauweisen mit Ortbeton oder Mauerwerk?
Hedding: Das Gegenteil ist der Fall. Die Kosten liegen bei uns signifikant unter denen einer konventionellen Bauweise und wir können Erstellungskosten von unter 3.000 Euro pro Quadratmeter realisieren. Unser Bausystem wird mittels digitalem Zwilling in einem Building Information Modeling (BIM)-System geplant. Damit ermöglicht es einen hohen Standardisierungs- und Industrialisierungsgrad in der Fertigung der Gebäudekomponenten – mit entsprechenden Skaleneffekten.
Außerdem verfügen wir über eine hohe Eigenfertigungstiefe von mehr als 80 Prozent, die entsprechende Planungssicherheit und logistische Effizienz gewährleistet. Aus dieser Kombination von Standardisierung, Skalierung und Industrialisierung ergeben sich die besagten Kostenersparnisse.
Fachblog: Vielen Dank.