Gewerbe, Workplace & „Wellbeing“

Rund 42.000 m² Büro- und Gewerbeflächen entstehen im neuen Quartier DSTRCT.Berlin. 30 Jahre lang zählte das 26.250 m² große Areal mit historischem Industriebestand zu den Brachen der Stadt.
© Philipp Winter
„Gesunder Foodbereich“ im DSTRCT.market

2019 startete der international aktive Entwickler HB Reavis das Großprojekt – zwei Jahre nach seinem Eintritt in den deutschen Markt. Das innovative Quartier für Büro und Gewerbe ist nach ‚Wellbeing‘-Aspekten umgesetzt und vollständig digitalisiert. Matthias Großmann, HB Reavis, gibt Einblicke in das Bauvorhaben und die neuen Ansätze. Für 2022 ist die Fertigstellung geplant. Der Baukredit in Höhe von 230 Millionen Euro wurde durch die Helaba bereitgestellt.

Herr Goßmann, mit dem Quartiersprojekt Dstrct.Berlin verbinden Sie Büro und Gewerbe, historische Gebäudestrukturen und innovative Arbeitswelten. Das Thema Workplace scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Inwiefern?

Es geht darum, Lösungen zu entwickelnt, die das Wohlbefinden der Mieter steigern und Produktivität und Kreativität fördern – sowohl durch modernste Technologie als auch grüne Oasen und flexible Nutzungsangebote für die Mieter.

Die ehemaligen Schlachthofbauten umfassen drei bis zu 9 Meter hohe Hallen mit Nebengebäuden. Eine der Hallen setzen Sie komplett als Gastronomie- und Food-Einzelhandelsflächen um. Weshalb?

Gemischt genutzte Quartiere erfreuen sich einer steigenden Beliebtheit, insbesondere in Metropolen wie Berlin. Hierbei spielen die Themen Stadt-/Kiezentwicklung und Flächenknappheit eine große Rolle. Wir glauben, dass Flächen oft ineffizient genutzt werden und nicht mit den Bedürfnissen der Mieter im Einklang stehen. Daher setzen wir im Dstrct.Berlin auf ein ganzheitliches und nutzerzentriertes Konzept, das sowohl Büro- als auch Gastronomie- und Retailflächen beinhaltet.

Sie nutzen eine eigene Technologie- und Sensorikplattform namens Symbiosy, um die Gebäudesteuerung etwa beim Raumklima zu optimieren.

Ja, wir haben umfassend Hard- und Software verbaut, die über diverse Sensoren verschiedenste Werte misst. Die Daten werden in die von HB Reavis entwickelte DSTRCT-App eingespeist, über die der Mieter eigene Präferenzen festlegen kann. Für Besprechungsräume bedeutet dies, dass beispielsweise die Helligkeit, das Raumklima oder der CO2-Gehalt regelmäßig gemessen und je nach Auslastung automatisch gesteuert werden. Das System kann individuell um weitere smarte Elemente und digitale Anwendungen erweitert werden. Deskbooking ist beispielsweise eine flexible Komponente.

Es gibt drei begrünte Innenhöfe und Dachterrassen. In den Höfen sind bepflanzte Wände (Grünteppiche) vor die Fassaden gehängt, die digital gepflegt werden. Weshalb?

Ziel der begrünten Innenhöfe ist es, den Mietern Rückzugsorte zu bieten. Das satte Grün der Blätter ergibt ein lebendiges Farbenspiel, das beruhigend und positiv wirken soll. Der Pflanzenmix wuchs über mehrere Wochen auf sogenannten Flexipanels (Sempergreen Vertical System) im Außenbereich, bevor er angebracht wurde. Jedes Panel ist 60 mal 60 Zentimeter groß und wurde im Baukastensystem an bereits vorher montierten Trägern und Alu-Rahmen an der Fassade befestigt. Im fünften Obergeschoss ist die Steuerungsautomatik platziert, die über unzählige Sensoren stetig Werte wie Feuchtigkeit, Temperatur, Druck und Durchfluss misst. So lassen sich die Pflanzen automatisch und ganz nach ihrem Bedarf bewässern und düngen.

Was waren bei diesem Projekt die größten Herausforderungen?

Wie die meisten Unternehmen der Immobilienbranche haben auch wir die anhaltende Rohstoffknappheit und die Herausforderungen der pandemischen Lage bewältigen müssen. Darüber hinaus wurden Programmierer und Entwickler vielerorts gebraucht und die Personalressourcen waren dementsprechend begrenzt.

Für welche Gewerbemieter eignet sich das Objekt und welche Quadratmeterpreise werden realisiert?

Das Dstrct.Berlin eignet sich quasi für jedes Unternehmen, das auf moderne und produktivitätsfördernde Flächen Wert legt. Im Leasing-Prozess achten wir darauf, ob das jeweilige Konzept zu dem bisherigen Mietermix passt. Die Quadratmeterpreise sind entsprechend der Lage, der Ausstattung und der gebuchten Services gestaffelt.

Welches Fazit ziehen Sie bislang aus Ihrem Projekt?

Das Dstrct.Berlin war das ideale Projekt für HB Reavis‘ Eintritt in den deutschen Markt, auch wenn uns die Corona-Pandemie wie viele andere teilweise ausgebremst hat. Wir hoffen vor allem, künftig bereits in der Bauphase mehr Events und Begehungen veranstalten zu können, damit ein direkterer Austausch mit Nachbarn, künftigen Mietern und Kunden wieder möglich ist.